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Zauberflöte 2.2
musiktheatralische Fragmente nach Johann Wolfgang Goethe (1998/99)
(in Co-Autorenschaft mit Susanne Stelzenbach)

UA am 27.08.1999 in Krefeld / Fabrik Heeder / ca. 75 min
Co-Produktion: Hebbel-Theater Berlin und Theater Krefeld/Mönchengladbach

Kirstin Hasselmann, Königin der Nacht (Sopran)
Michaela Mehring, Pamina (Mezzosopran)
Frank Valentin, Tamino (Tenor)
John T. Gates, Monostatos (Bassbariton)
Janina Sachau, Papagena (Schauspielerin)
Kai Hufnagel, Papageno (Schauspieler)
Frank Albrecht, Sarastro (Schauspieler)

ART Ensemble NRW

Bernd Bolsinger, Klarinette
Andreas Roth, Posaune
Scott Roller, Violoncello
Olaf Normann, Schlagzeug


Susanne Stelzenbach, musikalische Leitung
Thomas Krupa, Inszenierung
Andreas Jander, Licht
Yvonne Lötz, Kostüme
Ralf Hoyer, Klanginstallation
Ulrike Gondorf, Dramaturgie
Max Jerschke, Abendspielleitung



Das Textfragment Goethes wurde für Zauberflöte 2.2 nochmals stark fragmentarisiert - bis hin zu einzelnen Silben und phonetischen Klangresten - und mit anderen Textsplittern versetzt. Inhaltlich ging es den Autoren weniger um einen konkreten Handlungsverlauf, sondern eher um die Darstellung bestimmter archetypischer Situationen. Die sieben bekannten Hauptfiguren erscheinen als der abgesprengte Rest einer Zivilisationselite, schicksalhaft miteinander verknüpft, in einer Situation der Ratlosigkeit und des Wartens, dabei ständig ihre alten Konflikte reproduzierend. Sprache, Handlung und die Bewegungen auf der Bühne lassen die Figuren wie Klone ihrer selbst erscheinen. So entstehen aus Bruchstücken von Texten, Worten, instrumentalen Klängen und den akustischen und optischen Möglichkeiten der Klanginstallation schließlich Zusammenhänge ganz eigener Art, die wie eine organische Entwicklung wirken.


Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer zu: Zauberflöte 2.2

(aus: Musik im Dialog III -Klangkunst/Musiktheater
Jahrbuch der Berliner Gesellschaft für Neue Musik 1999 / PFAU-Verlag Saarbrücken)

Goethes Fragment:

Mo soll im Auftrag der den neugeborenen Sohn von Pa und Ta rauben. Dies misslingt durch den Zauber des Sa, doch fliehend hat Mo das Kind Genius in einen goldnen Sarg verschlossen. Damit es nicht stirbt, muß der Sarg ständig umhergetragen werden, auch dürfen Pa und Ta ihren Sohn nicht sehen und verfallen darüber in einen lähmenden Wahn. Die ist voller Wut über den Versager Mo. Doch auch Pgno und Pgna - auf diese vom Publikum so geliebten Figuren wollte auch G nicht verzichten - sind nicht glücklich, denn der erwartete Kindersegen ist ausgeblieben. Sa hat inzwischen als Pilger den Orden verlassen und wird Pgno und Pgna Kinder aus Straußeneiern zaubern. Doch mit seiner Entfernung schwindet die Macht seines Zaubers, so daß die den Genius in ihre Gewalt bringen kann. Pa und Ta brechen auf, ihren Sohn zu retten. Doch Genius entzieht sich jedem Zugriff, unerwartet befreit er sich selbst und entfleucht.


Vieles spricht dafür Goethes Fragment für immer ruhen zu lassen / und doch / was treibt uns eigentlich / lässt uns dieser Text nicht los / es ist weniger die Story eher der Zustand / die Situation in der das Fragment abbricht als Goethes Genius entfleucht / sieben Kopfgeburten stehen verwirrt beraubt ihres Zieles und dadurch plötzlich auf merkwürdige Weise geeint / sieben neue nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts / sieben wohlbekannte Opernfiguren klagen vergeblich ihren Sinn ein indem sie sich erinnernd aufs neue reproduzieren / wie schon oft / wie oft schon / Definition des Darstellungsraumes / Künstlichkeit / geschlossene Anstalt oder Raumschiff auf verlorener Mission / die Situation in der das Fragment abbricht / nervös / ratlos / instabil / aggressiv / depressiv / das bedeutet den Goethe-Text rigoros zu zertrümmern / Chor der Frauen Mohren Pilger Priester Wächter gestrichen / dazu Notizen zur Naturwissenschaft sowie Bruchstücke anderer Texte / Fragmente des Fragmentes / Fragmente eines Satzes / eines Wortes / phonetische Aktionen / die Ungereimtheit des Textes / ist es Tag / eröffnet Felder für Musik / kommt die Nacht / im Gegen-Satz kann kritische Distanz / sie ist da / sich verwirklichen / auch immer oder wie wenn zuletzt doch sich kaum wieder besser würde durch Genius haben alle an sich scheint es gut außer wenn oder / Pause / gut sein / Goethes Wort in Gottes Ohr / ich höre nichts ich bin allein die Welt verstummt um mich so soll es sein / wie soll es sein / wer weiß / zwischen Wort und Musik und Geräusch / die Zeit vergeht / am Anfang war das Fragment / der ambivalente Zustand der ersten Bekanntschaft mit dem Text setzt sich in der Arbeit fort / und bleibt / und bleibt / zersplittern oder glätten / singen oder sprechen / folgen oder widerstehen / ernstnehmen oder nicht / doch / Konfusion und Lähmung / sieben Kopfgeburten klagen vergeblich ihren Sinn ein / was man noch nicht sagen kann kann man vielleicht schon singen / die Degeneration ist fortgeschritten / Distanz gewinnen / wie sonst das Zeugen Mode war erklären wir für eitel Possen / natürlich / die Kinder / freilich es fehlen uns / Stop / das Glas erklingt von lieblicher Gewalt / eine Klanginstallation aus zwölf symmetrisch angeordneten und mit Lautsprechern versehenen Glasröhren von 20 cm Durchmesser und 2 m Länge bildet den Bühnenraum / den Bühnenraum mitkomponieren / das Ankippen der Röhren bewirkt eine Veränderung der Resonanzfrequenz / nur keine Requisiten oder Kulissen / der Regisseur prägt das Stück auf seine Weise / sowieso / sagt es niemand nur den Weisen weil die Menge gleich verhöhnet das Lebendge / gestrichen / in diesen stillen Mauern ist über allen Gipfeln Ruh / wie wenn zuletzt doch / doch die Zusammenarbeit ist produktiv / Fragen nach dem Sinn / immer / es geht nicht / ich kann es nicht / ich weiß nicht was soll es / d ng cht Schauder und Wahn t tt tttt t Täuschung ng rrrrrrrrrrrr ch ch hhhhhh ich zzzzzzzzzz / Zeit / warum war das frühe Universum so heiß / Distanz gewinnen / farbiges Abklingen / blendendes farbloses Bild / sichtbare Welt / dauernde Disposition / abklingen / Gleichnisse / Wiederholung / Kulmination / schwirren / Glasklang im Raum / Klarinette / Baßklarinette / Posaune / Cello / Schlagzeug / Abklingen der Glocken / ein Woodblock vervielfältigt sich in der Klanginstallation / in den instrumentalen Strukturen soll sich das Fragmentarische fortsetzen / Licht durch Schlag / unabhängig von Sprache und Gesang legen die Instrumente ihre eigene Spur / verknüpfen sich in der Simultanität mit dem Bühnengeschehen zu unvorhersehbaren komplexen Bildungen / ohne Voraus-Setzung / ohne Folge / auf die Mischung kommt es an / es trübt es klärt sich / Distanz gewinnen
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