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MID SIZE ROBO SOCCER MUSIC
Eine interaktive Roboter-Fußball-Performance
zur Erzeugung musikalischer Klänge und Strukturen auf der Basis elektroakustischer Rückkoppelungen für das Festival Unmenschliche Musik im Haus der Kulturen der Welt im Februar 2013

Mit den Robo Cup Teams
Techunited / Technische Universität Eindhoven (Niederlande)
Carpe Noctem / Universität Kassel

Audioinformatik: André Bartetzki

Video

Ralf Hoyer / André Bartetzki / Carpe Noctem / Techunited: MID SIZE ROBO SOCCER MUSIC from Ralf Hoyer on Vimeo.



Vortrag auf der ArtsIT 2013 in Milano unter
http://de.slideshare.net/RalfHoyer/artsit-2013hoyer-18807327


1.
Die Weiterentwicklung der Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es gibt umfangreiche Forschungen auf dem Gebiet der Neurowissenschaften mit dem Ziel, das Verhalten und die Kommunikationsfähigkeit autonomer Roboter dem menschlichen Verhalten nachzubilden. Vor allem in Anwendungsbereichen wie der Hilfe im Haushalt (Service Robotik), der Altenpflege (Geriatric Care) oder der Lebensrettung (Search and Rescue) wird auf diese Weise danach gestrebt, die Akzeptanz der menschlichen Benutzer zu steigern, damit die Technik als hilfreicher Partner angenommen werden kann. Es ist jedoch immer wieder zu beobachten, dass sich seitens des Menschen emotionale Bindungen zu den selbständig und intelligent agierenden Robotern aufbauen, weil deren quasi menschliches Verhalten auch das Vorhandensein menschlicher Gefühle suggeriert.

Die sich daraus ergebenden Konflikte und Missverständnisse bilden die Basis für ein umfangreiches musiktheatralisches Vorhaben mit Robotern und Menschen, dessen Verwirklichung schrittweise in den nächsten Jahren erfolgen soll.

Das Projekt MID SIZE ROBO SOCCER MUSIC entwickelt eine Szenenidee aus diesem Musiktheaterprojekt zu einer eigenständigen kineto-akustischen Performance für ein renommiertes internationales Kunstfestival.

2.
Jedes Geräusch, jeder Klang entsteht aus einer Bewegung. Sind die in unserer alltäglichen, technisierten Umgebung entstehenden Geräusche und Klänge weitgehend nebensächlich, oft störend oder gar unvermeidbar, so ist in der akustischen Kunst der Klang das Ziel jeglicher Bewegung. Dabei ist es prinzipiell unerheblich, ob es sich beim Tonerzeuger um die schwingende Saite einer Violine oder um die Membran eines Lautsprechers handelt.

Doch gibt es Verknüpfungen von Klang und Bewegung auch in einem übergeordneten Sinne, z.B. bei einer elektroakustischen Rückkoppelung. Hier bestimmt im Wesentlichen die Entfernung zwischen Mikrophon und Lautsprecher die Frequenz des entstehenden Rückkopplungstones. (z.B. Pendulum Music /1969 by Steve Reich)

Aus dieser Überlegung heraus entstand die Idee, mit Hilfe von mehreren, sich schnell zueinander bewegenden autonomen Robotern, wie sie der Mid Size League der Robo Cup Initiative zu finden sind, ein feines, polyphones Klanggeflecht zu erzeugen. Dieses ist hörbar mit den Bewegungen der Roboter verbunden und verleiht ihnen somit gleichsam „eine Stimme“, während sie sich als autonome Fußballer auf dem Spielfeld bewegen.

Dazu werden die Roboter mit Mikrophonen und Lautsprechern sowie einem speziell entwickelten Audiomodul bestückt. Die Verstärkungen der Mikrophone und Lautsprecher sind so justiert, dass bei den schnellen Bewegungen der Roboter entsprechend ihren individuellen Positionen ständig wechselnde Rückkopplungsklänge entstehen. Auch können andere Daten aus den Bordrechnern, wie z.B. Abstand zu anderen Robotern und Bewegungsgeschwindigkeit, zur weiteren musikalischen Modulation ausgewertet werden.

So werden die im Sinne des Fußballspieles zielgerichteten Bewegungen der Roboter auf dem Spielfeld in ein Musikstück transformiert, das anders nicht entstehen könnte und bei jeder Aufführung anders klingen wird, da auch die Bewegungsabläufe immer andere sein werden.

3.
Das aus den Bewegungen der Robots in oben beschriebener Weise entstehende Klanggeflecht hat eine Struktur, die als eine Form von avantgardistischer elektronischer Musik rezipiert werden kann. Da solche Werke in der Regel einen menschlichen Schöpfer haben und damit in gewisser Weise Träger menschlichen Ausdrucks sind, wird man auch in dieser, durch Roboter generierten Musik Ausdruckswerte vermuten.

Es stellt sich die Frage, ob dies lediglich eine Projektion des menschlichen Geistes ist, oder ob der menschliche Gestaltungswille über den Weg: ich baue eine bewegliche Maschine - die Fußball spielt – die nebenher Klänge erzeugt – die von Menschen rezipiert werden erhalten bleibt und schließlich als Ausdruck erscheint.

Eine weiterführende Frage wäre: kann ich die Roboter veranlassen, sich so zu bewegen, dass sie gezielt Klänge erzeugen? In wie weit sind sie in der Lage, musikalische Strukturen, Klänge und Geräusche weitgehend autonom zu generieren, so wie sie sich jetzt als Fußballroboter autonom auf dem Spielfeld bewegen? Dies würde über die Musik hinaus den Bereich der Choreographie zum Gegenstand der künstlerischen Betrachtungen und Experimente machen.
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