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Aenigma Noctis et Astrorum
für Orgel zu 4 Händen (2009)

UA am 08.08.2009 im Dom zu Halberstadt im Rahmen der Nacht der Kirchen / ca. 22 min

Lothar Knappe und Liana Narubina, Orgel

Den Dom zu Halberstadt kenne ich seit meiner Kindheit. Meine Großeltern lebten hier, in den Ferien streifte ich mit Spielkameraden durch die Stadt. Ich entsinne mich an viele Trümmer, an Sommerbad und Rollschuhbahn, aber auch an den Kreuzgang der Liebfrauenkirche – in dem wir augenblicklich ruhig wurden, als wir ihn betraten – und vor allem an den Dom mit seinen beeindruckenden Ausmaßen, mit seinem Geruch und seinem Dämmerlicht.

Später habe ich den Dom noch ein oder zweimal besucht, und in meinem Notizbuch findet sich bei einer Auflistung eventueller künstlerischer Vorhaben bereits Mitte der 90er Jahre auch das Stichwort „Halberstädter Dom“.

Nun ist es soweit.

Der Titel AENIGMA NOCTIS ET ASTRORUM ist gedacht als eine Metapher für klangliche Zustände und Prozesse, nicht als die Beschreibung einer musikalischen Empfindung oder Intention.

Ist z.B. bei einer Geige der Korpus der Resonanzraum, durch den die Saite erst ihren spezifischen Klang erhält, so mag als Resonanzraum einer Orgel das ganze Kirchenschiff gelten. Diese besonderen, baulich bedingten klanglichen Eigenschaften und ihre Konsequenzen waren für mich kompositorisch von höchstem Interesse. Schwebungen zwischen sehr tiefen, langen Tönen, Verwischungen schneller Tonfolgen durch den Nachhall, Differenztöne im hohen und höchsten Bereich – alle diese Details werden von unterschiedlichen Standorten im Dom unterschiedlich wahrgenommen, sie sind auch nur sehr begrenzt vorhersehbar. So ist auch für mich das klangliche Ergebnis in gewisser Weise immer wieder überraschend, und ich empfinde die Entfaltung der Klänge im Raum in ihrer Plastizität fast wie einen lebendigen Organismus.

Die Komposition selbst arbeitet mit vielen liegenden Tönen und Akkorden, denn das Hineinhören in die inneren Schwebungen braucht Zeit, ebenso wie die Wahrnehmung von langsam sich verändernden Klangmixturen und musikalisch-strukturellen Entwicklungen. Immer wieder gibt es auch Klangbrüche und schroffe Wechsel, das Musikstück läuft ab mit einer gewissen Unerbittlichkeit und Unbeeinflussbarkeit, wie auch die Sterne ihre Bahnen ziehen...

An einer Stelle wird der augenblicklich in der Buchardikirche klingende Akkord des Stückes  ORGAN2/ASLSP von John Cage für etwa eine Minute zitiert, in Respekt vor dem Meister und den Initiatoren dieser spektakulären, auf 639 Jahre angelegten Aufführung des Werkes.


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