für 7 Instrumentalisten graphische Partitur Musik ist erst Musik wenn sie klingt. Bleibt sie in einem Kopf drinnen, klingt sie nur ihm. Will sie nach draußen, muß sie sich Mittel und Wege suchen, sich transformieren: als klingende Aktion, Zeit strukturierend, dabei prinzipiell einzigartig. Wiederholung kann nur annähernd gelingen. Notation ist ein Hilfsmittel dazu und darüber hinaus eine Kommunikationsgrundlage für musikalische Interaktion.
Notation ist äußerst vielfältig, historisch/territorial/individuell bedingt und niemals 100prozentig genau. Bei komplexen Notenbildern ist der visuelle Eindruck von Komplexität am klanglichen Ergebnis sicher nicht weniger beteiligt als die Umsetzung der in Notenform codierten Spielanweisungen. Unspielbar!? Läßt indes die Notation den Interpreten Freiheiten, so heißt dies keineswegs, es wäre gleichgültig, was sie spielten.
Die Partitur von shadows 2 entzieht sich der traditionellen Notation und setzt stattdessen auf Erinnerungsreste daran, indem sie - trotz aller Komplexität - einige der üblichen Parameter n i c h t darstellt. Die Musiker befinden sich auf schwankendem Grund. Hier ist Assoziation gefragt, das aufeinander Hören, das miteinander Spielen.
Neue Musikzeitung / Oktober 2018 / von Michael Zwenzner:
'Ironische Komplexität? Ironische Aleatorik? Beides! Durch ein vieldeutiges, anarchisch wie komplex anmutendes, überaus suggestives Notenbild gelenkte kollektive Improvisation sorgt für eine Musik weitab herkömmlicher Ausdruckskategorien. Zunächst approximativ koordinierte Organisation in drei zwei- bis dreistimmigen kanonischen Schichten. Für einen extremen Verdichtungsprozess im zweiten Drittel wird die feste Zuordnung zu den Notensystemen verlassen. Nach gemeinsamer Kulmination kanonisches Auslaufen ad libitum. Sechs Seiten mit Rudimenten traditioneller, schwarzer und roter Notation ohne Schlüsselung, die durch zunehmende Zeichenüberlagerung quasi in eine grafische Notation übergeht. Je nach individueller Einstellung zur Umsetzung des Texts mittelschwer bis sehr schwer. Widerborstig wird hier der Abschied vom Werkbegriff und die kollektive Erweckung der Musik aus dem schattenhaften Fast-Nichts monadischer Details zelebriert. Ideal für experimentierfreudige – im Hinblick auf Aufführungskonventionen vielleicht auch etwas polemisch aufgelegte – Ensembles.'
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung der NMZ)
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