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'wachet recht auff' - ein Oratorium zu LUTHER
für Solisten, 2 Chöre, Orchester, Posaunenchor und Orgel (2016)
Text: Kerstin Hensel

Uraufführung
16.9.2017 / 18 Uhr
Dom zu Halberstadt

17.9.2017 / 17 Uhr
Dom zu Brandenburg

23.9.2017 / 19.30 Uhr
Stadtkirche Bayreuth

mit:
Mi-Seon Kim, Sopran
Sarah van der Kemp, Mezzosopran
Johannes Grau, Tenor
Robert Elibay-Hartog, Bariton
Hubert Kowalczyk, Bass
Christian Steyer, Sprecher
Daniel Göritz, E-Gitarre
Tobias Scheetz, Orgel

Vocalconsort Berlin

Brandenburger Symphoniker

Kantorei Halberstadt, Ltg. KMD C.-E. Heinrich
Blechbläserensemble des Brandenburger Domes Ltg. M. Fladerer-Armbrecht

Thüringen Philharmonie Gotha (in Bayreuth)
Kantorei und Posaunenchor Stadtkirche Bayreuth, Ltg. Dekanatskantor M. Dorn

Aurélien Bello, Dirigent

Presseberichte über die Aufführungen siehe unten.

Partitur, Klavierauszug und Aufführungsmaterial ist bei EDITION GRAVIS erschienen.
www.editiongravis.de
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Ralf Hoyer:

Gedankensplitter und Fundstücke während der Arbeit am Luther-Oratorium

Wachet recht auff“ - dieser Weckruf aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kap. 15, Vers 34 in der Lutherschen Übersetzung von 1545, kann auch unabhängig vom dortigen Kontext als eine Forderung gelten, sich wach und nüchternen Blickes mit Gott und der Welt zu beschäftigen.

Luther hat das gelebt.

In seinen Thesen – zunächst als Beitrag zum akademischen Diskurs gedacht – hat er die Geldschneiderei des Ablasshandels angeprangert und dies theologisch begründet. Die Ablassbriefe fanden selbstverständlich reißenden Absatz, denn wer wollte sich nicht von seinen Sünden frei und damit etwas Glück kaufen? Wenn es schon im Leben nicht danach aussieht, so doch wenigstens im Jenseits, für sich oder die bereits verstorbenen Verwandten... Die Folgen hatte Luther nicht geahnt. Ging es ihm doch allein um den Glauben. Meinte er doch, den Papst auf einen theologischen Denkfehler aufmerksam machen zu können. Doch dieser hatte ganz andere Pläne. Und Luther fand sich plötzlich der geballten Macht seiner Kirche gegenüber.

Luther hat – wie wir wissen – widerstanden.

Und die Geldschneiderei heute? Sie hat sich mit ihren Glücksversprechen immerhin ins Diesseits verlagert. Jeder kennt Beispiele belogener und geprellter Anleger, Autokäufer, Telefonkunden, Zeitungsleser oder Patienten, die allzu leicht glauben, man könne Gesundheit kaufen. Das alles bleibt jedoch zumeist privat. Schwieriger wird es, wenn jemand versucht, große Konzerne, Parteien oder gar ein ganzes Staatswesen mit unbequemen Enthüllungen zu stören. Auch heute gibt es Widersteher, die viel, mitunter ihr Leben riskieren für eine Sache, von der sie überzeugt sind, ohne die Folgen zu ahnen oder gar kontrollieren zu können...

Es ist diese Grundhaltung Luthers, die uns, die Librettistin und den Komponisten interessiert hat. Nun ist nicht jeder zum Widersteher geboren. Doch auch in kleinem Rahmen kommt wohl ein jeder (eine jede) einmal in eine Situation, in der er (oder sie) entscheiden kann. Hier ist dann der wache Geist gefragt, im menschlichen Sinne „gottgefällig“ zu handeln... Wachet recht auff!

Luther ging es um die Verbreitung des wahrhaftigen Glaubens, um eine wirkliche christlichen Gemeinschaft. Diese stellt sich leicht her im gemeinsamen Singen. Und auch im gemeinschaftlichen Hören, z.B. der Kantaten und Oratorien Bachs, des Mozart-Requiems oder der Orgelwerke eines Oliver Messiaen...

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Zwei Fundstücke:

Luther, der selbst den Gesang liebte und die Wirkung desselben auf das menschliche Gemüt zu würdigen wusste, erkannte nun sehr wohl, dass auch das christliche deutsche Volk guter geistlicher Lieder zum Singen bedürfe, wenn das Evangelium recht in das Leben des Volkes eindringen sollte. Darum war er nicht nur eifrig bemüht, die Lebenswahrheiten des Evangeliums zu lehren, sondern auch das, was seine ganze Seele erfüllte und sein ganzes Leben bewegte, zu singen. (…) So gelangte die evangelische Kirche bald zu einem reichen Besitz erhebender schöner Lieder, während die Katholiken sich blos mit den alten lateinischen Gesängen begnügten und die Calvinisten sich auf die Übersetzung davidischer Psalmen beschränkten. Es ist ja auch bekannt, wie viel diese vom Geiste des Glaubens durchdrungenen und getragenen Gesänge zur Verbreitung der Reformation mitgewirkt haben. (…) Kirchengesang war religiöser Volksgesang. (...)...daß man auf gleiche Weise, wie man Volkslieder in geistliche Lieder umdichtete, ebenso auch weltliche Volksmelodien zu geistlichen Liedern, zu Kirchenliedern umwandelte. (…) Dieses Bestreben, dem Volke zum Singen christliche Gesänge zu geben veranlasste ihn (Luther) unter anderem auch, für das bei der Frühlingsfeier von dem Volke, besonders den Kindern, an verschiedenen Orten Deutschlands gesungene Lied „So treiben wir den Winter aus...“ einen anderen religiösen und die besonderen damaligen kirchlichen Verhältnisse aussprechenden Text zu liefern: „Nun treiben wir den Papst hinaus, aus Christus Kirch und Gottes Haus, darin er mördlich hat regiert und unzählig viel Seel´n verführt...“ *

Luther ließ seine Kirchenlieder drucken, nicht zuletzt deshalb „...dass ich gern wollte, die Jugend, die doch sonst soll und muss in der Musica und anderen rechten Künsten erzogen werden, etwas hätte, damit sie der Buhl-Lieder und fleischlichen Gesänge los würde, und an derselben statt etwas heilsames lernte...“ **

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Und noch ein Fundstück:

Auf dem Rückflug seiner dreitägigen Reise nach Armenien hat Papst Franziskus erneut eine Presse-Konferenz im Flieger gehalten. Dabei fragte ein Journalist über die Reise des Pontifex nach Lund, wohin der Heilige Vater in vier Monaten  reist, um den 500. Gedenktag der Reformation zu begehen – und ob es eine häretische Frage sei, die Exkommunikation Martin Luthers aufzuheben oder zurück zu nehmen. Papst Franziskus antwortete:

Ich denke, die Absichten Martin Luthers waren nicht falsch, er war ein Reformator. Vielleicht waren seine Methoden nicht die richtigen. (...) In dieser Zeit war die Kirche kein Modell, das man hätte nachahmen können. Es gab Korruption in der Kirche, Weltlichkeit, man hing am Geld, an der Macht, und deshalb protestierte er. Er war intelligent, und er ging einen Schritt weiter, in dem er begründete, was er tat. Heute sind sich Protestanten und Katholiken in der Rechtfertigungslehre einig, in diesem wichtigen Punkt hat er sich nicht geirrt.“ ***



Ralf Hoyer:

zur musikalischen Konzeption des Luther-Oratoriums „wachet recht auff“

Das Luther-Oratoriums „wachet recht auff“ ist für große Kirchenräume mit einem langen Nachhall konzipiert. Das heißt, die Verwischungseffekte bei schnellen Noten, die Umhüllung dissonanter Einzeltöne und deren Verschmelzung zu Akkordgebilden sind hier berücksichtigt und eher als ein kompositorisches Mittel denn als eine Unzulänglichkeit anzusehen. Es gibt eine klare räumliche Trennung der Ausführenden. Die große Orgel klingt zumeist entfernt vom Orchester, auch der Posaunenchor ist deutlich separiert, um Akkorde von den Blechbläsern des Orchesters in den Raum hinein zu ziehen. Der Chor 2 ist in den Reihen der Zuhörer positioniert und somit auf einer Ebene mit diesen.

Formal knüpft „wachet recht auff“ an die Tradition der großen Oratorien an. Abgesehen von der Behandlung eines kirchlichen Themas und der großen Besetzung mit Orchester, Orgel, Chören und Solisten gibt es auch hier einen klaren, in Kapitel gegliederten Handlungsfaden. Es gibt Recitative und Arien, erzählende und reflexive Passagen. Die Chöre haben – ganz im klassischen Sinn – eine dreifache Funktion: die wörtliche Rede der Volksmenge, die Reflexion in mehrstimmiger, madrigalistischer Form und das Singen von Chorälen, stellvertretend für die Gemeinde oder mit ihr zusammen.

Das Singen: es schafft immer Identifikation, ob mit sich selbst in der Einsamkeit, oder im Aufgehen des Einzelnen in einem gemeinschaftlich erzeugten Klang. Auch das vorliegenden Werk ermöglicht neben dem kollektiven Hören an einigen Stellen die Erfahrung von Gemeinschaft durch das Singen.

Doch was nun legt man den Sängern in den Mund? Hier hat die Dichterin Kerstin Hensel ein wunderbares Libretto geschrieben, kenntnisreich, gewitzt und mit Biss. Die kompositorische Arbeit an den Gesangsstimmen ging mir leicht von der Hand, die Worte kommen alle gut über die Lippen. Kerstin Hensel hat mir kürzlich den Grund dafür verraten: sie hat während der Arbeit all ihre Verse gesungen! Freilich auf „ihre“ Melodie – die sie mir nicht vorführen mag. Aber es hat geholfen.

Sowohl Text als auch Musik entspringen zeitgenössisch-künstlerischem Denken, scheuen jedoch nicht vor historischen Inserts zurück, ob als Original oder als Stilkopie. Die alten Perlen bekommen damit eine kunstvolle, zeitgemäße Fassung. Mag man nun das eine oder das andere bevorzugen - vorurteilsfreie Neugier ist und bleibt der einzig wahre Weg zu unbekannter (Ton-)Kunst.


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* Pfarrer Fr. Werner in der ZEITSCHRIFT FÜR DIE GESAMMTE LUTHERISCHE

THEOLOGIE UND KIRCHE / 1. Quartalsheft Leipzig 1842

** Luther in der Vorrede des 2. und 3. Gesangbüchleins seiner Lieder 1525

*** ROM , 27 June, 2016 / 12:54 AM (CNA Deutsch)




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Die Entstehung des Werkes und die Aufführungen werden gefördert von:
Staatsministerin für Kultur und Medien „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“,
MWFK Brandenburg,
Land Sachsen- Anhalt,
Kulturfonds Bayern,
Stadt Brandenburg,
Domstift zu Brandenburg
Leupold Stiftung für Kirchenmusik,
Evangelische Kirche Berlin/Brandenburg/schlesische Oberlausitz,
Kirchenkreis Halberstadt,
Lutherdekade Bayern.

Eine Kooperation des Kunststoff e.V. mit der Stadtkirche Bayreuth
und den Domen zu Halberstadt und Brandenburg
in Zusammenarbeit mit der MusikAgentur Schönherr

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Presseecho
Halberstadt / 16.09.2017

Volksstimme Magdeburg

Welturaufführung im Dom

Beifall und Bravorufe für „Wachet recht auff– Ein Oratorium zu Luther“
Ein besonderes musikalisches Erlebnis erwartete am Sonnabend die Konzertgäste im Halberstädter Dom – die Welturaufführung von „Wachet recht auff – Ein Oratorium zu Luther“.
Von Renate Petrahn / Halberstadt

Wer am Sonnabendabend in den Halberstädter Dom gekommen war, hatte das Glück bei einer Uraufführung dabei zu sein. Nach „Enigma noctis et astrorum“ (Das Rätsel der Nacht und der Sterne) im Jahr 2009 und „fluctus sonorum“ (fließende Klänge) 2011 schrieb Ralf Hoyer mit „Wachet recht auff“ - ein Oratorium für Luther“ sein drittes Werk für diesen Kirchenraum.
Als festliche Einstimmung auf dieses besondere Ereignis begrüßten die Mitglieder des Posaunenchores Halberstadt von den Domtürmen herab die Besucher, die wenig später teilhatten an den im Oratorium widergespiegelten gesellschaftlichen Umbrüchen von vor 500 Jahren.
Das Wie der Darstellung des Geschehens in Wort und Musik gehört zu den großen Vorzügen der Dramaturgie des zehnteiligen Werkes: knapp, dennoch präzise. Ausgehend vom Allgemeinen – Struktur der Macht (Staat und Kirche) und Analyse der Befindlichkeiten des mittelalterlichen Menschen an der Grenze zur (Frühen) Neuzeit – wird der Fokus auf das Besondere, auf die Person Luthers, sein Leben und sein Wirken gerichtet.
Die Lyrikerin Kerstin Hensel schrieb das Libretto für das Oratorium, bei dem die Worte keineswegs im Schatten der Musik stehen. Bemerkenswert, mit welchem musikalischen Einfühlungsvermögen sie die wohldurchdachten und kenntnisreichen Texte für das 90-minütige Musikstück gestaltete, die Schattenseiten des Reformators nicht aussparend. Interessant die Einführung von Müntzer und Erasmus von Rotterdam in das Oratorium, die als Theologen im Widerspruch zu den Lehren Luthers (Reformation ohne Zugeständnisse an die Obrigkeit, Wahlvermögen des Menschen zwischen Gut und Böse oder Vorbestimmung) standen. Bei aller weltgeschichtlicher Bedeutung Luthers und seiner Würdigung ist Kerstin Hensel – Gott sei Dank – nicht der Humor abhanden gekommen, der immer mal wieder auflitzt, am schönsten im Dialog zwischen Luther und dem Teufel auf der Wartburg.

Atonalität, chaotische Entwicklungen, außergewöhnliche Spielweise der Instrumente und Handhabung des Chorgesangs, manchmal gesprochen oder geflüstert, machen die musikalischen Ausdrucksmittel aus. Wort- und Musikfetzen, abrupt herausgeschleudert, fügen sich nur allmählich zu einem Ganzen zusammen.
War der Zuhörer zu Beginn zunächst überrascht, vielleicht auch irritiert, von den Hörerlebnissen, die so ganz anders sind als die gewohnte Dur- Moll-Harmonik, so wurde er zunehmend in den Bann gezogen von dieser neuen Art, Musik zu schreiben und zu interpretieren. Und mehr und mehr erschien es dem Konzertgast so, als seien diese neuen Klänge und Rhythmen ein überaus geeignetes musikalisches Mittel, um die Verunsicherung, die Suche nach Orientierung jener Zeit klanglich abzubilden.
Andererseits werden auch andere, eher harmonische Töne angeschlagen, wenn es um die Darstellung von Luthers privatem Leben geht. Da klingt die Gitarre (phänomenal Daniel Göritz) schon mal wie die Laute, die Luther gern und häufig spielte. Und auch sonst wird im Oratorium Bezug auf die Kompositionen des die Musik hochschätzenden Reformators genommen und zwar immer dann, wenn es galt, Stabilität und Vertrauen in die Reformation schaffen, am klarsten symbolisiert durch „Eine feste Burg ist unser Gott“ und weiterer Choräle aus dem evangelischen Kirchengesangbuch (EKG).

Zu den besonderen musikalischen Einfällen mit sinnhaften Hintergrund gehörte auch die Einbeziehung des Publikums als einem weiteren Chor in das Geschehen, beispielsweise mit „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“, Melodie und Text von Martin Luther, EKG 193. Einer Einladung, der die Konzertbesucher gern Folge leisteten. Eine Information mit genauen Angaben, wann die Interaktion mit dem Publikum zum Bestandteil des Oratoriums wird, wurde vor dem Konzert an Interessierte ausgehändigt.
Das unglaublich dichte und äußerst anspruchsvolle Werk zeichnet sich durch viele musikalische Raffnessen, sowohl instrumental als auch gesanglich, aus. Neben den sechs Solisten überzeugten Orchester (Brandenburger Symphoniker, Blechbläserensemble des Brandenburger Domes) wie die beiden Chöre (Vocalconsort Berlin und die Kantorei Halberstadt) unter der exzellenten Leitung von Aurélien Bello. Die jungen Gansangssolisten meisterten hochkonzentriert mit Bravour ihren komplexen Part – so oft sieht man Sänger sonst nicht mit einer Stimmgabel im Konzert.

Während Vocalconsort Berlin vor dem Lettner Aufstellung genommen hatte, saßen die Mitglieder der Kantorei (Leitung KMD Claus E. Heinrich) mitten im Publikum als ein Indiz für die verschiedenen Wahrnehmungsebenen des Musikstückes und möglicherweise auch der Reformation insgesamt.
„Das ist musikalisch eine ganz andere Ebene, deutlich entfernt vom Standardsingen eines jeden Kirchenchores“, sagte Sebastian Lütgert, Mitglied der Kantorei Halberstadt, nach dem Konzert.
Zum Erfolg der Aufführung trug Christian Steyer als einfühlsamer Rezitator ebenso bei wie der bravouröse Tobias Scheetz an der Orgel.
Blumen, Beifall über Beifall, Bravorufe standen am Ende dieses in seiner Art einmaligen Abends in Dom St. Stephanus in Halberstadt.
Voller Freude und Zufriedenheit, dass alles so wie gedacht und erhofft gelaufen sei, zeigte sich Ralf Hoyer nach dem Konzert. Er sei dankbar für die wunderbare Atmosphäre in der Kirche und zu erleben, wie die Musik die Zuhörer in ihren Bann gezogen habe, sei ein sehr schönesü, sagte der Komponist.



Neues Deutschland

Durch die materialistische Brille / Uraufgeführt im Dom zu Halberstadt:

Das Luther-Oratorium »Wachet recht auff!« von Ralf Hoyer und Kerstin Hensel

Von Stefan Amzoll (21-09-2017)

Er habe große Lust gehabt an dieser Arbeit, sagt der 1950 in Berlin geborene und in Eberswalde lebende Komponist Ralf Hoyer. Über wenige Monate hinweg sei die Partitur in einem Zug entstanden. Das Thema Luther und Welt, originell, ernst-komisch, frech zur Sprache gebracht, habe die Ideen nur so sprudeln lassen. Sehr produktiv sei die Zusammenarbeit mit der Dichterin und Librettistin Kerstin Hensel gewesen. Die musikalische Grundstruktur sei Stück für Stück in enger Zusammenarbeit gewachsen, also Umriss und Reihenfolge der Arien, Chöre mit und ohne Orchesterbegleitung, die Soloauftritte, Duette, Terzette, Ensembles, Gemeindechor, Intermedien etc. Das Resultat: »Wachet recht auff!« - ein Oratorium zu Luther.

Ein Wurf die Partitur, sie ist auf große Kirchenräume mit langem Nachhall angelegt worden. Das Werk ist die erste große Arbeit des Komponisten. Beherzt umgesetzt, erzeugt sie in vielem starke Wirkungen, sodass die Uraufführung im vollbesetzten Dom zu Halberstadt zum Ereignis wurde, das die Annalen von Dom und Stadt auf Dauer zieren dürfte. Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten unter dem jungen Franzosen Aurélien Bello glänzten in nahezu allen Belangen. Kein besserer Raum als der im Dom ließ sich wünschen. Das Ensemble singt und musiziert im Kirchenschiff. Am anderen Ende oben die große Orgel, die auch solistisch hervortritt, unten der Posaunenchor, der Bläserechos zurückwirft.

Kerstin Hensel: »Wir wollten weder eine Luther-Lobpreisung machen noch eine Luther-Schmähung, sondern Welt und Leben des Reformators in Zusammenhänge stellen, die bis in die Gegenwart hineinreichen.« Assoziationen aktueller Art hätten sich beim Schreiben des Librettos wie von selbst ergeben. »Das Mittelalter mit dem 21. Jahrhundert zu vergleichen, ist natürlich eine schwierige Balance. Aber es gibt Fäden, die sich die Hand reichen.«

Das zehnteilige Libretto behandelt Gebet, Gottehre, Geist, Leib, Leben, Tod, Buße, Reue, Entsagung, Gnade, Erlösung gleichsam durch die materialistische Brille. Es zitiert, parodiert, ironisiert, baut Szenen, komische wie ernste oder beides in einem. Geschichtliche Hintergründe scheinen immer wieder durch. Auch die Satire hat ihren Ort, etwa wenn der Teufel die Szenerie betritt: »Mensch, Martin, lass uns auf einem Weinfass reiten.« Willst du nicht, dann haue ich dir das Tintenfass an den Kopf. Die beiden beharken sich wie Typen in einer Soap-Opera. Was den Reformator wurmte, womit er haderte, Situationen, in denen er mit sich selber kämpfte und mit seiner Umwelt, finden musikalische Entsprechungen.

Die Chöre sind mehrfach geteilt. Mit einbezogen ist ein Gemeindechor. Der singt aus dem Publikum an mehreren Stellen passende Stücke aus dem Evangelischen Gesangsbuch. Beispielsweise Melchior Vulpius’ »Hinunter ist der Sonnenschein, die finstre Nacht bricht stark herein.« Das Lied taucht zu Anfang im »WeltZeitBild« auf, in dem die Mutter Luthers aus dem Chor heraus von »vergifteten Weiden« singt und der Tenor die Zeile »Es ist die Zeit der Zauberey ... Der Junker Tod zählt seine Güter.« Am Ende des Teils schreit der erste Chor: »Die Juden sind schuld! Die Hexen!«, darauf eine wilde E-Gitarren-Nummer nach Jimi Hendrix die Kirche in eine Rockbühne verwandelt. Anspielungen auf das Ungemach jetzt gibt es diverse. In »MachtStaatKirche« vokalisiert die Junge Nonne leise inbrünstig das »ewige Leben« und was sie dafür tun müsse, es zu erlangen. »Gott mit ganzem Herzen lieben, anbeten und dienen«, säuselt der Alte Mönch. Und wenn das Herz aussetzt, fragt Eine Frau? Was den Alten erzürnen lässt: »Hinweg! Schleich dich! Von dannen! Der Papst hält sein Wort/ Zwingen und Bannen!« Stichwörter, die Szenerie »Inquisition!« heftig pulsieren zu lassen, wo der Papst auftritt und von Fortschritt spricht, wenn die Glieder knacken, während Luther sich totlacht über eine Ziege, »die dem Sünder die nackten Füße leckt«.

Ralf Hoyers Musik ist stellenweise wie ein szenisches Oratorium komponiert, aus der die Oper schon rausguckt. Die drei Teile »Luther Leben« bringen Dialoge, Soloarien, Duette, Ensembles, eingeführt durch Sprechstimmen und den bis in höchste Höhen gehenden Evangelisten.

Den Figuren um Luther, wie sie nach sachtextlicher und poetischer Überlieferung sprachen, legt die Dichterin das Ihre in den Mund. Luther sprach in der Kirche anders als im kruden Leben, in Worms vor Kaiser und Papst anders als mit seiner Frau Katharina, mit dem Teufel anders als mit seinen Gegenspielern Erasmus von Rotterdam und Thomas Müntzer. Kurzum: Historische Syntax und Semantik nimmt sie auf und verfährt damit in den verschiedensten Tonlagen, die zugleich Tonlagen für die Musik sind. Ein ganzes Sprach- und Figurenkompendium tut sich auf. Das Präludium irritiert die Leute sogleich. Sprecher und Tenorstimme permutieren: »Was soll uns das? ... Das soll uns was?«

Müntzer und Luther seien »zwei Pole einer Haltung zur Lage der Weltveränderung« gewesen, sagt Kerstin Hensel. »Luther war sowohl Gott und dem Glauben wie den Fürsten zu Diensten in der Meinung, die Dinge wären verbesserungsfähiger, würden sich die Menschen nicht gegen die Fürsten stellen. Das ihn selber tragende System sollte unangetastet bleiben.« Relevant genauso jene musikalisch eindrucksvoll ausgestalteten Dialogpartien zwischen Luther und Erasmus. Der Mensch sei frei in seinen Handlungen, entfährt es Letzterem. Das, so Kerstin Hensel, sei eine sehr revolutionäre Haltung. Luther sei demgegenüber ein ängstlicher Mensch gewesen, der das, was er an Aufständen ausgelöst hatte, gar nicht wollte. Nicht er, die Alte Frau singt: »Hier stehe ich, ich kann nicht anders«. Seit an Seit mit: »Tod! Der Junker Tod«. Katharina von Bora tritt in dem Oratorium als Hoffnungsträgerin auf. Sie, die das Bier braut, die Gäste bewirtet, die Tafeln herrichtet, sie hat die Hosen an. Sie schwärmt nicht von Gärten und Wald, sie will sie geschützt sehen.

Produzent Johannes Schönherr ermöglichte eine großartige Aufführung. Zusammen mit Ralf Hoyer konnte er erste Kräfte binden: glockenklar Sopranistin Mi-Seon Kim als Junge Nonne und Sarah van der Kemp als stolze Katharina. Hauptsächlich in hohen bis höchsten Lagen zeigte Johannes Grau als Evangelist sein Können. Nicht ganz so atemberaubend im Raum der junge Baritonist Robert Elibay-Hartog als Luther. Bassist Hubert Kowalczyk sang überzeugend den Alten Mönch und Weiteres. Als auch komische Tonfälle treffender Sprecher von Kanzel und Podium erwies sich Christian Steyer. Die Damen und Herren des Vocalconsorts Berlin (Einstudierung: Tobias Walenciak) holten Allermöglichstes aus sich heraus. Tobias Scheetz glänzte an der großen Orgel und dem Orgelpositiv. Neben der einschlagenden Rock-Einlage fielen auch die federleichten Begleitpartien des E-Gitarristen Daniel Göritz ins Gewicht. Das Ganze schließlich firmierte unter besagtem Aurélien Bello, der den großen Apparat souverän in der Hand hatte.

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MAZ – Märkische Allgemeine (19.09.2017)

Brandenburg an der Havel

Oratorium im Dom: Luther als Superstar

Brandenburg/H. / 17.09.2017

Der Brandenburger Dom war Schauplatz eines neuen Luther-Oratoriums. Die Textdichterin Kerstin Hensel und der Komponist Ralf Hoyer haben sich dem aktuellen Thema im Lutherjahr zugewandt und ihrem Oratorium den Titel „Wachet recht auff“ gegeben. Das Publikum war begeistert, erlebte jedoch die eine oder andere Überraschung.

Von Klaus Büstrin

Neues soll und muss gewagt werden. So wie die Reformation vor 500 Jahren Neues aufbrach. Auch in der Musik. Ob die teils aufwendig besetzten Werke, vornehmlich die Luther-Oratorien, die landauf, landab in diesem Jahr zur Uraufführung kommen, jedoch Bestand haben, wird die Zeit entscheiden. Mit Titeln wie „Furchtlos und frei“, „Gaff nicht in den Himmel“, „Des Menschen Wille“ oder nur „Luther“ wird der Reformator regelrecht zum Superstar.

Der Brandenburger Dom war am Sonntag Schauplatz eines weiteren neuen Oratoriums. Die Textdichterin Kerstin Hensel und der Komponist Ralf Hoyer, beide in Berlin beziehungsweise im Brandenburgischen beheimatet, haben sich dem aktuellen Thema zugewandt und ihrem Oratorium den Titel „Wachet recht auff“ gegeben.

Für Hoyer war das Schreiben eines überdimensionierten Werkes mit zwei Chören, fünf Solisten, einem Sinfonieorchester sowie einem Blechbläserensemble eine große Herausforderung, doch auch ein lang gehegter Wunsch. Im Jahr des Reformationsjubiläums gibt es Förderer, die solch ein Projekt finanziell unterstützen. Also konnte er sich an dieses Werk wagen. Und das war gut so.

Das Leben Martin Luthers wird sowohl erzählerisch als auch musikalisch vielschichtig erzählt. Man könnte das Oratorium auch einen Bilderbogen nennen, gefasst in prägnante Szenen und Aussagen in der Sprache unserer Tage, verbunden mit der des Reformators und seiner Zeitgenossen.

Hensel und Hoyer stellen in ihrem Werk den Mönch und Gelehrten in eine Welt mit sogenannten Hexen und Teufel, in der die Inquisition und Scheiterhaufen Realität waren, in der Luther dem Kaiser und seinen Gefolgsleuten die Stirn bot und die Freiheit des Christenmenschen verkündete, der mit dem intellektuellen Erasmus von Rotterdam und dem Revolutionär Thomas Müntzer disputierte, der die Bibel ins Deutsche übersetzte, damit sie jedermann lesen konnte.

Aber auch das Eheleben zwischen Katharina von Bora und Luther hat seinen Platz gefunden. Der Reformator hat Weltgeschichte geschrieben. Und diese Welt muss man mit großen, starken Bildern und in eine musikalische Sprache fassen. Dies ist den beiden Autoren hevorragend gelungen, auch der Einblick in die Psychologie der komplexen Figur Luthers.

Das groß besetzte Ensemble mit dem Vocalconsort Berlin, der Kantorei Halberstadt, dem Blechbläserensemble des Brandenburger Doms, den Brandenburger Symphonikern sowie den Solisten bewältigte unter der Leitung des exzellent dirigierenden jungen Franzosen Aurélien Bello die enormen musikalischen und interpretatorischen Anforderungen mit ihren Dissonanzen, Rhythmen und auch atonalen Kängen souverän, mal kämpferisch und provozierend, mal einfühlend und untermalend. Spannend und aufklärend vor allem die Auseinandersetzungen des Reformators mit seinen Zeitgenossen. Auch die große Ausstrahlung der Choräle Luthers auf die Gemeinde kommt zum Zuge.

Zum Schluss gab es aber Längen. Vor allem das Orgel-Interludium 2, von Tobias Scheetz zwar hervorragend gespielt, vor dem „Summa summarum“ mit seinen Frage- und Ausrufezeichen zu Luthers Wirken erwies sich als weitschweifig. Die schwierigen solistischen Partien wurden von dem Bariton Robert Elibay- Hartog als Luther, von Mi-Seon Kim, Sopran, Sarah van der Kemp, Mezzosopran, Johannes Grau, Tenor, Hubert Kowalczyk, Bass, glänzend bewältigt. Elibay-Hartog brachte es teilweise sogar an den Rand seiner gegenwärtigen stimmlichen Verfassung. Als Sprecher fungierte der Schauspieler Christian Steyer. Seinem fast durchweg ironischen Tonfall hätte er hin und wieder eine andere Farbe hinzufügen können.

„Wachet recht auff“ fand bei den Zuhörern weitgehend begeisterte Zustimmung. Gut, dass der alte Luther neu erkundet wurde, mit aufregend bewegender Musik.

Bayreuth / 23.09.2017

http://www.deropernfreund.de/pionteks-bayreuth-6.html

(leicht gekürzt auch im Nordbayrischen Kurier am 25.09.2017)

PIONTEKs BAYREUTH

Bayreuth hat nicht nur die Richard-Wagner-Festspiele der Schwestern, sondern auch darüber hinaus ein reges Musikkulturleben.

Davon berichtet regelmäßig unser  Bayreuther Redakteur Dr. Frank Piontek; soweit nicht anders gezeichnet, stammen die Beiträge und Fotos auf dieser Seite alle von ihm.

 

EIN ORATORIUM ZU LUTHER

Stadtkirche, 23.9. 2017

WACHET RECHT AUFF

Die Zeit ist aus den Fugen. Immer sind die Anderen schuld: die Juden die Hexen die Juden. So ist das eben im 16. Jahrhundert, und so klingt die Zeit auch: als atonales, schroffes Jammergeschrei. Wir sitzen in der Stadtkirche, sitzen also nur in einem Konzert, alles gut – aber plötzlich dringt von hinten, mitten aus den Bankreihen der Gemeinde, ein Choral in unsere Ohren: Hinunter ist der Sonne Schein, die finstre Nacht bricht stark herein. Wir lauschen dem Gesang, der seine evangelischen Gesangbuchstrophen-Strophen über den dumpfen Ostinatoschlägen einer Pauke erhebt. Unversehens gesellt sich ihm der Chor hinzu, den wir gerade auf dem Konzertpodium sehen. Behüte uns, o lieber Gott, der musikalische Schluss könnte stärker nicht sein, weil er weit über ein „Konzert“ hinausgeht, das eine deutliche Trennung zwischen Ausführenden und Hörern vorsieht. Oder: Die Orgel hat gerade ein zehn Minuten langes Interludium gespielt, Schema A – B – A', am Anfang das Chaos, in der Mitte eine scheinbar rein musikalisch motivierte Spielerei mit munter durch den Raum schwirrenden Tönen. Doch das, was sie in den letzten Takten anstimmt, ist gewaltiger als alles, was wir in der letzten Stunde gehört haben. Lauter kann die Orgel ihren blockhaften, dissonanten Akkord auch in der Stadtkirche nicht spielen – aber das Stahlgewitter wird unversehens von einem langen, liegenden und leisen Streicherakkord von schönster Ruhe unterbrochen.

Es wäre leicht, noch Dutzende anderer stärkster musikalischer Momente des „Oratoriums zu Luther“ „Wachet recht auff“ in dieser Weise zu beschreiben. Der Komponist Ralf Hoyer und die Librettistin Kerstin Hensel haben ein stark szenisches Oratorium geschaffen, das bei konservativeren Kirchentagsbesuchern möglicherweise Überlegungen über eine wahre Kirchenmusik auslösen könnten. Dass das Oratorium es – Stichwort: Himmel, Arsch und Zwirn, Stichwort: „Sex“ - auch mit weltlichen Inhalten zu tun hat, liegt in der Natur der Gattung begründet, die immer schon zur Oper tendierte. Dieses Luther-Oratorium aber, nicht das einzige der Lutherdekade, überrascht durch musikalische Dignität, mit der das Neuere mit einigen (nicht zu viel) Zitaten des Alten gleichsam reformatorisch verschmolzen wird. Hoyer schrieb sein Werk – ein Gustobrocken für Freunde der Neueren Musik - aus dem Geist einer Moderne, die die Organisation dissonanter Struktur anwendet, sich ihr aber nicht zum Sklaven macht. Wenn die E-Gitarre die Schrecken der Zeit beschrammelt, klingelts grausig in den Ohren – diese Gitarre könnte so in keinem Rockgottesdienst ertönen. Kein Wunder also, dass das Finale des Werks, das Luthers Leben pauschal ausmisst, fast zuletzt eine zärtliche Liebesszene zwischen Katharina und Martin erlaubt und die historischen Fakten und Diskussionen (mit dem Kaiser, mit Erasmus und mit Müntzer) erstaunlich konzis und korrekt zusammenfasst – kein Wunder also, dass das Finale eine einzige offene Frage ist: Wie sieht es aus mit dem Verhältnis von Glaube und Welt, von Gott und Erde, Geistlichem und Weltlichem?

Wachet recht auff“ ist mit seinem intensiven Einsatz aller musikalischen Mittel, mit dem Gemeindegesang und dem Fernensemble des Posaunenchors auf der Empore, der bisweilen wie vom Himmel gesendet ins Kirchenschiff dringt, mit seinen Schlagzeugkaskaden, den kakophonen Holzblasspäßen des Kaisers, dem herrlichen ersten Interludium mit seinen langen, hohen, ruhigen Streicherlinien und seinem Kontrast, der Foltermusik mit den Kettenschlägen der stets kaputten Zeit, mit einem Wort: mit seinen auch spirituell erfüllten Tonmalereien auf hohem kompositorischem Niveau und nicht zuletzt seinem intellektuell nicht blöden Unterhaltungsniveau ein grandioses Großwerk, das in der Stadtkirche mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach unter Aurélien Bello eine erstrangige Aufführung erfuhr – mit den Solisten, allen voran dem Sprecher Christian Steyer, dem Organisten Tobias Scheetz, dem Mezzo Sarah van der Kamp, dem Sopran Mi-Seo Kim (toll, was und wie ein „einfaches“ Chormitglied des „Provinz“-Theaters Görlitz zu singen imstande ist), dem Tenor Johannes Grau und dem Luther des Robert Elibay-Hartog. Nicht zuletzt aber der „Gemeindechor“ der Bayreuther Kantorei und des Posaunenensembles der Stadtkirche unter Michael Dorn, die sich die gewiss nicht einfache Partitur zu eigen machten.

Die Zeit ist aus den Fugen? Ja – aber mit dieser Gemeinde in Bankreihe 7 klingt sie zutiefst bewegend.


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