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Fluctus sonorum
für 9 Frauenstimmen, Harfe, Klavier und Orgel (2010/11)

UA am 27.08.2011 im Dom zu Halberstadt
Im Rahmen des Ökumenischen Friedensfestes in der Nacht der Kirchen
/ ca. 22 min


Berliner Frauen-Vokalensemble

Katharina Hanstedt, Harfe
Liana Narubina, Klavier
Josefine Horn, Orgel
Leitung: Lothar Knappe

Fluctus sonorum
entstand im Rahmen eines Berliner Kompositionsauftrages 2010. zur Förderung der zeitgenössischen Musik. Die Aufführung wird gefördert von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt.


Ralf Hoyer zu Fluctus sonorum :
Seit längerer Zeit interessieren mich Klänge in großen Räumen. Eine schnelle Folge von Einzeltönen verschmilzt zu einem Klangband, ein kurzer lauter Ton regt den Nachhall des Raumes an, der Raum klingt erst nach mehreren Sekunden aus. Dadurch ergeben sich zahlreiche Übergänge und Verwischungen. Bei manchen Musikstücken können diese klanglichen Verwischungen die Wahrnehmung des musikalischen Verlaufs stören. In Fluctus sonorum sind die Klangveränderungen durch die akustischen Eigenschaften des Raumes Bestandteil der Komposition, es wird ihnen genügend Zeit gegeben sich zu entwickeln und zu vergehen, das kann man hörend verfolgen.

Doch dies ist nur die technische Seite.

Jedes Kunstwerk ist vor allem auch eine sinnliche Erfahrung, und nur über diese kann sich eine spirituelle Erfahrung einstellen, kann eine Katharsis erfolgen. So, wie der gewaltige Bau des Domes St. Stephanus und St. Sixtus zu Halberstadt auf jeden einwirkt, der sich in ihm befindet, kann eine Musik, die einen solchen Raum zu füllen vermag, schließlich auch den Hörer erfüllen.

Doch was ist es eigentlich, das diese Erfüllung ausmacht? Was ist der Inhalt dieser rätselhaften Sinnhaftigkeit? Er lässt sich nicht benennen, ohne dass er dabei banalisiert wird und seine Aura verliert. Zudem sind ja die Sinneseindrücke und Empfindungen eines jeden Menschen von ganz unterschiedlicher Qualität, abhängig von seiner persönlichen Prägung, von seinen Vor-Urteilen und auch von seiner augenblicklichen Verfassung.

Wie man sich einem Kunstwerk nähern könnte schreibt der Maler Willi Baumeister zu Beginn seines Buches „Das Unbekannte in der Kunst“:
Kunstbetrachtung ist ein einfacherer Vorgang als allgemein angenommen wird. Der Zustand des Betrachters ist sein Ausgangspunkt, nicht seine „Meinung“ oder der „gesunde Menschen-verstand“... Andererseits ist Kunstbetrachtung nicht ein Vorgang, der der Mahlzeit eines kleinen Kindes vergleichbar ist, das den ihm eingelöffelten Brei schluckt. Das Kunstwerk ist keine total geöffnete Plattheit, sondern es gleicht eher einem vierzeiligen Vers, dessen letzte Zeile fehlt. Der Betrachter nimmt das Aufnehmbare in Einfalt auf. Durch die Antriebskraft des Werkes lässt er sich weiter führen. In den Weiten der Empfindungen öffnen sich die Werte.
(Willi Baumeister:“ Das Unbekannte in der Kunst“, Verlag M. DuMont Schauberg Köln 1960, S. 24)
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