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12.03.1987 /  Maxim Gorki Theater Berlin
¡Ay, Don Perlimplín!

Zitate aus den Kritiken von Christoph Funke (DER MORGEN vom 18.03.1987), Wolfgang Gersch (TRBÜNE vom 17.03.1987), Dieter Kranz (BERLINER RUNDFUNK, Sendung „Atelier und Bühne“ am 15.03.1987), Manfred Schubert (BERLINER ZEITUNG vom 18.03.1987) und von Helmut Ullrich (NEUE ZEIT vom 17.03.1987)

Zusammenstellung Maxim Gorki Theater 1987:

Auf der Bühne des Kleinen Theaters Unter den Linden gibt es eine Kostbarkeit, etwas wirklich Einmaliges.

Was da am vergangenen Donnerstag vor einem schier verzauberten Publikum zum ersten Mal über die Bühne lief, ist wahrhaftig ein Theaterabend ganz eigener Art: Situationen aus dem Fundus des derb-drastischen Lachtheaters sind so behandelt, daß sie plötzlich Gewicht und Bedeutung tiefer Lebensmysterien erhalten.

Im kleinen Orchester tragen die Violinen die blühenden Gefühle, das Klavier bringt den Rhythmus, Flöte, Fagott und Horn kommen heiter kommentierend und fröhlich distanzierend dazwischen, die Gitarre mischt Volkstümlich-Spanisches ein, und das Band bringt wie aus der Ferne das Schwirren und untergründige Tönen des Schicksals, der Trauer, des Aufruhrs, des Glücks und der Verzweiflung.

Die kleine Partitur für singende, psalmodierende, rhythmisch sprechende Schauspieler, die in Arien, Duette und Chöre gegliedert ist,wie es sich für eine traditionelle Oper gehört, sparsam in den Mitteln, treffend in ihren Akzenten, gekonnt in der Balance zwischen Lyrismus und Ironie, ist ein kleines Meisterwerk für sich.

Und sie war für Regisseur Rolf Winkelgrund offensichtlich Inspirationsquelle und Herausforderung für eine Inszenierung, in der dieselbe Gratwanderung mit erlesenem Geschmack und bewunderungswürdiger Genauigkeit vollzogen ist.

Die schneeweiße Gassenbühne, die ihm Henning Schaller entwarf, bot mit ihren seidenglänzenden Ton-in-Ton-Applikationen einen idealen, weil stilistisch zutreffenden Vollzugsraum.

Das verblüffende Angebot dieser Oper wird – unter der meisterhaften musikalischen Leitung von Susanne Stelzenbach am Klavier – im Maxim Gorki Theater durch Regisseur Rolf Winkelgrund , Bühnenbildner Henning Schaller und das Ensemble zu einem zauberhaften Theaterabend genutzt.

Zwei Stunden lang wird man nicht müde zu bestaunen, mit welcher Perfektion die Schauspieler des Maxim Gorki Theaters diesen heiklen Hochseilakt vortanzen.

Erstaunlich vor allem – die sängerischen Leistungen der Schauspieler. Anne-Else Paetzold reiht virtuose Koloraturen aneinander, zirpt und jubiliert, beherrscht ihre Lalala mit einem Temperament und einer Charakterisierungskunst, daß es einem den Atem verschlägt. Hansjürgen Hürrig setzt die seriöse Tiefe seiner Stimme dagegen, gediegen, sicher, raumfüllend...

Die Dienerin Marcolfa wird von Monika Lennartz sehr zutreffend zunächst aktiv unternehmend, dann weinerlich resignierend gegeben. Ein putziges Kabinettstück ist Dieter Wiens Gestaltung der Rolle der Mutter.

Eine Dame am klanglich dominierenden Klavier leitet zugleich die präzis musizierende Instrumentalgruppe als Dirigentin: Susanne Stelzenbach, die Frau des Komponisten, macht das mit viel Geschick und Energie.

Daß diese leicht gehende Aufführung schließlich auch irritiert, ist schön, da heute vieles bloß gefällig sein will.

Man ist, glaube ich, in dieser bewunderungswürdigen hochartifiziellen Uraufführung von Ralf Hoyers Perlemplín-Oper Lorcas theatralischen Vorstellungen und Visionen ganz, ganz nahe.
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